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Buchcover Gregor Balke:

Poop Feminism.
Fäkalkomik als weibliche Selbstermächtigung.
Bielefeld: transcript Verlag 2019
https://www.transcript-verlag.de/

Komik als gesellschaftliche Störenfrieda

„Indem die Frau nicht mehr gefällt, tut sie den ersten Schritt zu ihrer Freiwerdung.“

Diesen Satz aus Elfriede Jelineks Theaterstück „Was geschah nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte oder die Stützen der Gesellschaft“ stellt Gregor Balke seiner Abhandlung über Fäkalkomik als weibliche Selbstermächtigung voran. Und was für eine reichhaltige Humor-Schatzkiste an filmischen Momenten, klug geschrieben und lustvoll gespielt von Frauen ist das geworden. Starring: Die Meisterinnen der Selbstinszenierung weiblicher Körperlichkeit – und weiblicher Körperflüssigkeiten - Amy Schumer, Tina Fey, Amy Poehler, Rachel Bloom, Ali Wong, Carolin Kebekus, Michelle Wolf, Maya Deren, Melissa McCarthy, Kristen Wiig, Roseanne Barr, Julia Louis-Dreyfus, Lena Dunham, Ilana Glazer und Abbie Jacobson.

Enthält Kostproben (ups!) aus den Filmen und Serien: Brautalarm, I Feel Pretty, Serien wie 30 Rock, Parks and Recreation, Veep, Better Things, Broad City.

Es geht um nichts weniger als die Aneignung patriarchaler Blickkultur. Frauen sind in diesen Produkten ;-) keine glatten, passiven Anziehpuppen mehr, sondern Regisseurinnen ihres eigenen Lebens. Hier wird nichts optimiert, hier wird offensiv die ganze peinliche Derbheit und Messiness des Körpers und seiner Ausscheidungen zelebriert. Die komischen leiblichen Eskapaden eröffnen den Blick auf die Ambivalenz und Kontingenz unserer menschlichen Existenz – die „Doppelbödigkeit“ wie Josef Hader sagen würde, um auch einen männlichen Kabarettisten einzubeziehen, denn klarerweise können auch Männer feministische Kunst machen. Es geht um die Subversion scheinbar eindeutiger Perspektiven, einen BlickWechsel, der die bestehende Ordnung produktiv stört. Das weibliche Lachen rüttelt am Gehäuse des Playboy-Patriarchats: Die genannten Komikerinnen sind alles andere als stumm, ihr Gelächter dröhnt wild und aufmüpfig durch die filmischen Räume – wie im Vorspann von „Roseanne“ (der old-school-Version aus den Neunzigern).

Dem komischen Blick von Frauen* soziologisches und – ja wirklich – philosophisches Gewicht zu verleihen, ist ein Verdienst dieses Werks, in dem auch Judith Butler und Hélène Cixous zu Wort kommen: „Indem sie sich schreibt, wird die Frau auf ihren Körper zurückkommen, den man ihr mehr als beschlagnahmt hat, aus dem man den unheimlichen Fremden im Heim gemacht hat (…). Schreib Dich: es ist unerlässlich, dass dein Körper Gehör bekommt.“ (Cixous: Das Lachen der Medusa, 2013, S. 45).

Die Leser_innen lernen viele wunderbar komische Filmszenen, Comedy-Ausschnitte und Serien-Highlights subversiv unterhaltsamer Frauen kennen. Besorgen Sie sich ein Furzkissen und lesen Sie los. Befreiter Blick und Lachgarantie in düsteren Zeiten.

Bettina Zehetner

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