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Buchcover Susanne Walz-Pawlita, Beate Unruh, Bernhard Janta (Hg.):

Körper-Sprachen.
Gießen: Psychosozial Verlag 2016
http://www.psychosozial-verlag.de/


Zwischenleiblichkeit in der therapeutischen Symbolisierungsarbeit und die Grammatik der Körper-Sprachen

Dieses Jahrbuch der deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie (DGPT) beruht auf den Vorträgen der Berliner Jahrestagung im Oktober 2015. Die Vielfalt der Themenbereiche ist zwar anregend breitgefächert angelegt, durch die Kürze der einzelnen Beiträge bleiben die angeschnittenen Fragestellungen allerdings oft eher oberflächlich. Der Sammelband kann darum vor allem als erste Einführung und Überblick zum Verhältnis von Psyche und Soma, von körperlichem Ausdruck und psychotherapeutischem Zur-Sprache-Bringen dienen.

Lebendigen Einblick in psychoanalytische Prozesse bieten die Szenen zum Phänomen der Resonanz, dem Ein- und Mitschwingen der Therapeut_in in der Arbeit mit der körperlichen Präsenz und den körperlichen Äußerungen der Analysand_innen, etwa beim Erscheinungsbild traumatischer Ängste. Als originell erweist sich der Zugang aus den Nachbarwissenschaften, den Ansätzen aus Kunst-, Kultur- und Geschichtswissenschaften (etwa zur Blickdynamik). Unterbelichtet bleibt die Perspektive der aktuellen phänomenologischen Forschung (Emmanuel Alloa et al), neue Theorien zum Verhältnis von Körper und Sprache sowie embodiment wie etwa der feminist materialism (Karen Barad et al) bleiben leider ganz ausgespart.
Zu kurz kommt insgesamt die Geschlechterperspektive mit nur zwei Texten (Lily Gramatikov zum transsexuellen Körper und dem Diktat der Geschlechterdichotomie sowie Helga Krüger-Kirns Essay „Mutterschaft auf der Couch“). Nicht überzeugend wirkt der Ausflug in die Neuromythologie, der recht unkritisch die potenzielle Validierung der Psychoanalyse durch Simulation propagiert. Hier wäre eine fundierte philosophische Klärung der Grundbegriffe und Fragen sinnvoller wie Joachim Küchenhoffs Gedanken zu Zwischenleiblichkeit und Körperbild ahnen lassen.

Bettina Zehetner

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