Frauen beraten Frauen

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Buchcover Jasmine Senk (Hg.in):

Zwischen Gleichstellungserfolgen und Antifeminismus.
Zwiespältige Tendenzen in der Modernisierung der Geschlechterverhältnisse.
Linzer Schriften zu Gender und Recht 52
Trauner Verlag der Johannes Kepler Universität Linz 2013

Es gibt nicht die eine Wahrheit der Geschlechter

Die Dokumentation der Titel gebenden Tagung im Jänner 2013 bietet fundierte Grundlagen zum besseren Verstehen aktueller Widersprüche im Geschlechterverhältnis. Der Diskurs der rhetorischen Modernisierung (Angelika Wetterer) möchte uns glauben machen, Frauen wären ohnehin schon längst in allen Bereichen den Männern gleichgestellt und Feminismus darum ein antiquiertes Projekt. Die Artikel dieses Sammelbands machen deutlich, wie stark alte Ungerechtigkeiten in neuen Kämpfen nachwirken bzw. sich sogar wieder verschärfen. Parallel zur Flexibilisierung von Geschlechterrollen hält sich hartnäckig die längst überwunden geglaubte patriarchal strukturierte Geschlechterordnung. Dies zeigt sich in familienrechtlichen Auseinandersetzungen um das Sorgerecht (Karin Neuwirth über die sogenannten neuen Väter zwischen Emanzipation und Väterrechtsbewegung), am Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen als Gestaltungs- und Kontrollinstrument für egalitäre Bedingungen (Jasmine Senk über Quoten und Frauenförderpläne) sowie an Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen (Doris Weichselbaumer). Elisabeth Menschl bringt in ihrer Wegbeschreibung feministischer Vernunft- und Wissenschaftskritik philosophische Grundlagen naturalistischer Fehlschlüsse und normativer Ableitungen über das Wesen oder die Natur von Männern und Frauen als Legitimation einer hierarchisierenden dichotomen Geschlechterordnung („Von der feministischen Philosophie zur Gleichstellungspraxis“). Ergänzt werden die Beiträge durch die Dokumentation der die Tagung beschließenden Podiumsdiskussion mit Ina Freudenschuss, Gabriele Heinisch-Hosek, Ilse Lenz, Karin Neuwirth und Rolf Pohl.

Fazit: Der Sammelband bietet wertvolles Material für die Analyse der Heterogenität aktueller Geschlechterverhältnisse und für die Argumentation gegen antifeministische Propaganda.

Bettina Zehetner

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