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Rezensionen


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Buchcover Stephan Meder:

Familienrecht.
Von der Antike bis zur Gegenwart.
Köln Weimar Wien Böhlau utb 2013
http://www.utb.de/

Wie verändert sich das Familienrecht von der altrömischen Gesetzgebung über Mittelalter und Neuzeit bis zur Gegenwart?
Der Autor ist Professor für Zivilrecht und Rechtsgeschichte an der Universität Hannover, dementsprechend hat dieses Werk Lehrbuchcharakter und bietet einen gut verständlichen und differenzierten Überblick über die Geschichte des Familienrechts. Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Situation liegt auf der deutschen Gesetzgebung, wodurch für österreichische Verhältnisse aktuell relevante Entwicklungen wie das neue Sorgerecht ausgespart bleiben. Spannend wäre in diesem Zusammenhang auch eine kritische Einschätzung der Väterrechtsbewegung.
Das Buch bietet einen spannenden Streifzug durch die Jahrhunderte: Wie haben Juristen die ungleiche Behandlung der Geschlechter gerechtfertigt? Dies beispielsweise trotz der Postulate der Aufklärung von Freiheit und Gleichheit, die dennoch das Modell der bürgerlichen Familie mit seiner Spaltung des der Frau zugeordneten privaten Innenraums und der dem Mann vorbehaltenen öffentlichen Sphäre der Politik und Weltgestaltung propagierte. Die angeblich unterschiedliche „Natur“ von Mann und Frau musste hier für die Legitimation von asymmetrischen Machtverhältnissen dienen, unterschiedliche „Geschlechtscharaktere“ wurden konstruiert.
Sehr bemerkenswert ist der konsequente Fokus auf den sich im Recht manifestierenden Wandel der Geschlechterrollen und den Reformforderungen der Frauenbewegung im internationalen Kontext. Die aktuelle Herausforderung ist somit ein geschlechtergerechtes Ehe-, Partnerschafts- und Familienrecht. Stephan Meder benennt klar die auch heute noch bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern im Zusammenhang mit der unbezahlten Betreuung von Kindern und der Pflege von Angehörigen. Hier hat die Rechtsordnung dem gesetzlich verankerten Gleichberechtigungsgebot entsprechend für eine Kompensation von Nachteilen zu sorgen, die aus „rollenkonformem“ Verhalten entstehen. Als Utopie bleibt die gerechte Aufteilung von Erwerbs- und Versorgungsarbeit zwischen Männern und Frauen und damit die eigenständige Absicherung jeder einzelnen Person, unabhängig von der Beziehungsform, für die sie sich entscheidet.

Zum Vergleich die aktuelle österreichische Rechtslage:
http://www.frauenberatenfrauen.at/scheidungsberatung.html

Bettina Zehetner

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