Frauen beraten Frauen

Rezensionen


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BuchcoverHarald Geißler und Maren Metz (Hg.):

E-Coaching und Online-Beratung.
Formate, Konzepte, Diskussionen.
Wiesbaden: Verlag für Sozialwissenschaften 2012
http://www.vs-verlag.de/

Online-Beratung erreicht erwiesenermaßen neue Zielgruppen: Personen, die ohne die Anonymität, zeitliche und räumliche Flexibilität, die der Zugang über das Netz bietet, keine Beratung face-to-face oder am Telefon in Anspruch nehmen würden. Online-Beratung stellt heute vor allem aufgrund der Besonderheit und Kreativität des Mediums Schrift eine bewährte Ergänzung zum psychosozialen Beratungsangebot "von Angesicht zu Angesicht" dar. Dieser Sammelband zum Thema Beratung mit Neuen Medien enthält einige informative Artikel zu webbasierter Beratung wie Peter Zezulas und Ragnar Beers Text über das Online-Portal zur Paarberatung "Theratalk" und der "zeitlichen Entzerrung", die die üblichen Streitmechanismen durchbricht sowie den kombinierten Medieneinsatz von Telefon und Internet, etwa bei der virtuellen Strategie-Simulation mit dem Coaching-Tool LPScocoon, einer interaktiven 3-D-Softwar zur Organisationsaufstellung. Avatare verkörpern bestimmte Persönlichkeitsanteile, die im realen Alltag oft zu wenig verwirklicht werden können. Klaus Bredl, Barbara Bräutigam und Daniel Herz beschreiben die Aufgabe von Berater-Avataren (etwa derjenigen der Hochschule Neubrandenburg in Second Life) als Brechen der Illusion der idealen Projektionsfläche gerade durch Mangelhaftigkeit und Versehrtheit statt Perfektion bei der Avatar-Gestaltung, um die Brücke zwischen virtueller und realer Lebenswelt zu ermöglichen.

Empfehlenswert als Einführung in die Thematik ist der Beitrag von Birgit Knatz "Coaching per Internet – wie es geht und wie es wirkt", in dem sie ihr 4-Folien-Konzept zur Mailberatung ausführt und auf die wichtigen Punkte Datensicherheit und Datenschutz (in Speicherung und Übertragung) eingeht. Der zentrale Topos Schriftlichkeit in virtuellen Beratungssettings wird in nur einem Beitrag ausführlich diskutiert: Richard Meinl, Marina Hergenreider, Julia Hünniger betonen die Nachhaltigkeit des Schriftlichen als Ergebnissicherung und die Wirkmächtigkeit des Schriftstücks als Symbolwerts, die in der schriftlichen Beratung so wesentliche Arbeit mit Metaphern wird zwar angedeutet, kommt jedoch eindeutig zu kurz. Deutlich wird, wie unterstützend die Forderung nach Genauigkeit in der schriftlichen Formulierung (von Problemen, Lösungen und Zielen) wirkt.

Insgesamt liegt der Schwerpunkt der Beiträge auf Business-Coaching nach kognitiv-verhaltenstherapeutischen und systemischen Methoden, der psychoanalytische Blick und eine genderbewusste Perspektive fehlen zur Gänze, obwohl hier schon bewährte Konzepte vorliegen (vgl. Bettina Zehetner 2008: http://www.frauenberatenfrauen.at/leitfaden.html sowie Stefan Kühne/ Gerhard Hintenberger: Handbuch der Online-Beratung V & R 2009). Ein einziger Beitrag befasst sich mit dem Thema Diversity (Peter Dreyer: Dienstleistung aus der Distanz: E-Coaching in Japan).

Dr.in Bettina Zehetner, Frauen beraten Frauen.
Institut für frauenspezifische Sozialforschung. www.frauenberatenfrauen.at

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