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Rezensionen


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Buchcover Anne Garréta:

Sphinx.
Mit einem Nachwort von Antje Rávic Strubel
Hamburg: Edition Fünf 2016
http://www.editionfuenf.de/


Androgynie statt Binarität – sich nicht besitzen, nicht besetzen lassen

Anne Garréta versuchte schon 1984 das Unmögliche: Sie legt das Geschlecht ihrer Hauptfiguren nicht fest. A*** ist schwarz, aus New York, Star einer Tanzrevue und deutlich älter als das erzählende Ich. Kein Personalpronomen engt unsere Vorstellung ein, keine geschlechtsanzeigende Endung stört das Hin- und Herschwingen unserer Bilder und Phantasien. Diese Uneindeutigkeit erweist sich das ganze Buch hindurch als spannende Herausforderung und Irritation. So viel Gender-Theorie kann eine gar nicht gelesen haben, dass nicht dennoch Klischees und Rollenstereotype im Kopf auftauchen würden – diese durch die vieldeutige Lesbarkeit immer wieder in Frage zu stellen ist manchmal unbequem und durchwegs sehr erotisch.

Wie zwischen weiblich und männlich schwingt die Spannung auch zwischen Annäherung und Distanz zwischen Erzähler_in und Protagonist_in, zwischen Begehren und Abstoßung, zwischen Lust und Verletzlichkeit hin und her. Flüchtigkeit, Vergänglichkeit und Schmerz des Verlustes werden sinnlich deutlich im Beobachten der tanzenden Figur: „Schon beim Betrachten zu wissen, dass dieser Körper vergänglich war.“

Fein wie immer in der edition fünf: die edel-liebevolle Gestaltung von Cover und Buchdruck.

Bettina Zehetner

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