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Rezensionen


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Buchcover Astrid M. Fellner, Anne Conrad, Jennifer J* Moos (Hg_innen):

Gender überall !?
Beiträge zur interdisziplinären Geschlechterforschung
St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2014
http://www.roehrig-verlag.de/

Von Bioaktien und Heteronormativitätsflüchtlingen

Im Abschnitt „Erzählte Geschlechter in der Literaturwissenschaft“ werden Geschlechterparodien von Carmen Corvito und Natalia Ginzburg lebendig, der autobiographisch-fiktionale Text „Reveries de la femme sauvage“ von Hélène Cixous lädt ein zu Reflexionen im Spannungsfeld zwischen Erinnern und Vergessen, Traum und Schrift.
Gender in der Theologie und der Grundschulpädagogik wird ebenso beleuchtet wie der implizite gender bias als Thema feministischer Erkenntnistheorie.
Von Sodomiten und Hermaphroditen bis zum queeren Gender Bender – die historisch vielfältigen Bezeichnungen für Heteronormativitätsflüchtlinge untersucht die Übersetzerin Eva Nossem – ein Beitrag queerer Sprachwissenschaft, der vielfältige Abweichungen vom dichotomen Geschlechtermodell verdeutlicht.
Im Text „Der Körper als Schicksal und Bioaktie“ diskutiert Sigrid Schmitz aktuelle Diskurse zur Gehirnforschung im Spannungsfeld von Determination und Konstruktion Die Plastizität des Gehirns, seine Formbarkeit im Austausch mit der Umwelt bietet für kritische Genderforschung gute Ansatzmöglichkeiten. Welche gesellschaftlichen Normierungsstrategien werden mit den Technologien der Hirnoptimierung verbunden? Hier finden altbackene Jäger-Sammlerinnen-Metaphern und damit verbundene biologistische Ideologien Eingang und medial enorme Verbreitung. Dies ganz im Gegensatz zu den (oft verschwiegenen) Befunden der weit größeren Heterogenität innerhalb einer Genusgruppe und somit den – auch biologischen – Ähnlichkeiten von Männern und Frauen.
Erik Schneider problematisiert die Medizin als Wächterin der Geschlechternormen und Heinz-Jürgen Voß schreibt über disziplinierende Versuche von Vereindeutigung und Auslöschung von Ambiguität in den Naturwissenschaften.

Dieser Sammelband bietet spannende Einblicke in die Vielfalt aktueller inter- und transdisziplinärer Genderforschung – noch mehr Dialog zwischen den einzelnen Fachgebieten ist wünschenswert. Wir sind gespannt auf den 20. Band von SOFIE – Schriftenreihe zur Geschlechterforschung.

Bettina Zehetner

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