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Buchcover Deixler-Hübner, Astrid / Schäffer, Hannes:

Partnerschaft ohne Trauschein.
Andere Erzählungen im Kontext narrativer systemischer Therapie.
Wien: Linde Verlag 2014
http://www.lindeverlag.at/


Freiheit statt Bindung?

Wussten Sie, dass Sie als Lebensgefährtin keinen Unterhaltsanspruch, kein Erbrecht und kein Informationsrecht im Krankheitsfall des Partners haben?
Auf den ersten Blick scheint die Partnerschaft ohne Trauschein viele Mängel zu enthalten – allerdings kann dieser Mangel an Verpflichtungen Bedürfnissen nach individueller Gestaltung entgegenkommen. Der fehlenden „Absicherung“ steht die größere Freiheit gegenüber. Eine Trennung ist im Rahmen einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft weitaus leichter als eine Ehescheidung: Die Lebensgemeinschaft kann jederzeit einseitig aufgelöst werden. Allerdings ist es oft schwierig, das in der Zeit der Partnerschaft angewachsene Vermögen zu trennen (wer hat was investiert?) oder erbrachte Leistungen zurückzufordern. Sinnvoll ist es jedenfalls, Rechnungen aufzubewahren und Zahlungen nachweisbar zu dokumentieren.
Für eine berufstätige Frau mit ausreichendem eigenen Einkommen kann die Lebensgemeinschaft die bevorzugte Lebensform sein. Problematisch wird die Situation dann, wenn sie ihre Berufstätigkeit aufgrund von Kinderbetreuung oder Haushaltsführung einschränkt, denn verlorene Aufstiegschancen und Pensionsversicherungsjahre erfahren im Fall einer Trennung keinerlei Ausgleich. Für eigenständig wirtschaftende Personen mit geringerem Bindungsbedarf und einer Abneigung gegen Verpflichtungen wie eheliche Treue, Beistands- und Unterhaltspflicht scheint die Partnerschaft ohne Trauschein eine gute Sache zu sein.

Das Buch umfasst die rechtliche Situation von der Gründung einer Lebensgemeinschaft über die Gestaltung (Wohnen, Kinder, Vermögen) bis hin zur Auflösung. Ergänzend auch die Rechte im Krankheitsfall: Damit eine Ärztin Ihnen als Lebensgefährtin Auskunft geben darf, muss Ihr Partner sie dezidiert von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden haben (am besten schriftlich).
Etwas kurz geraten ist das Kapitel zur Obsorge. Hier wäre eine noch genauere Definition des „Kindeswohls“ sinnvoll, das ja das Kriterium für jede Entscheidung das Kind betreffend sein soll. Eine Stärke des Buchs sind die lebendigen Beispiele (etwa die konkreten beispielhaften Formulierungen im Kapitel „Partnerschaftsverträge“). Insgesamt ein informativer und gut verständlicher Ratgeber zur rechtlichen Situation der Lebensgemeinschaft.

Bettina Zehetner

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