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Rezensionen


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Buchcover Deixler-Hübner, Astrid / Dinges, Stefan / Pranter, Marie-Christine:

Trennen oder bleiben?
Konstruktive Lösungen – Prävention und Bearbeitung von Paarkonflikten
Wien: Linde Verlag 2014
http://www.lindeverlag.at/

Mediation als Klärungsinstrument

Das interdisziplinäre AutorInnenteam will mit diesem Ratgeber Unterstützung für gute Entscheidungen und kreative Lösungen bieten. Das Buch gliedert sich in 3 Abschnitte: Prävention von Paarkonflikten, Bearbeitung aktueller Paarkonflikte und Eskalation von Paarkonflikten. Rechte und Pflichten in Ehe und Lebensgemeinschaft werden gut verständlich aufbereitet, etwa die Beistandspflicht oder die Tatsache, dass die „Mithilfe“ des Ehemanns im Haushalt keinen Gefallen darstellt, sondern die Verpflichtung, seinen Anteil an der Sorgearbeit zu übernehmen. Unterhalt, Vermögensrechtliches und Verantwortlichkeit für gemeinsame und „Patchwork“-Kinder der Partnerin/ des Partners bilden weitere Informationsbausteine. Der rechtliche Teil beinhaltet auch einen guten Überblick über die unterschiedlichen Scheidungsformen sowie konkret hilfreiche Tipps, etwa die Vorteile der Wartezeit bei der Scheidung wegen mehrjähriger Trennung oder mögliche Umgangsweisen mit einem einseitigen Wunsch, aus der Ehewohnung auszuziehen.
Der sehr anerkennenswerte Anspruch, juristische und psychosoziale Aspekte zu verbinden, gelingt unterschiedlich gut. In den psychologisch orientierten Abschnitten irritieren die Typenaufzählungen („schizoider Typ“, „hysterischer Typ“...) in ihrer Holzschnittartigkeit, zumal gerade die Schubladisierung der Partnerin/ des Partners in vielen Paarkonflikten ein Grundproblem darstellt. Die vielen Tabellen wirken etwas Lehrbuch-artig. Ein Manko stellen die rein männlichen Benennungen dar – ausschließlich von „der Mediator“ zu sprechen ist schlichtweg falsch, da im psychosozialen Feld mehrheitlich Frauen tätig sind. Nicht benannt wird auch das Faktum, dass sich das Buch ausschließlich an Mann-Frau-Paare wendet und gleichgeschlechtliche PartnerInnenschaften nicht vorkommen.
Sehr gut brauchbar wirken die anschaulichen Fallbeispiele aus der Mediationspraxis.

Bettina Zehetner

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