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Buchcover Arno Böhler, Christian Herzog, Alice Pechriggl (Hg.Innen):

Korporale Performanz.
Zur bedeutungsgenerierenden Dimension des Leibes.
Bielefeld 2013, transcript Verlag:
http://www.transcript-verlag.de/

Sprache ist immer auch körperlich. Mimik und Gestik, stottern und seufzen, schreien und flüstern, sich versprechen und verstummen sind körperliche Aspekte der Sprache, die ihre Bedeutung mitbestimmen. Der Körper der Sprache als bedeutungserzeugende Instanz, die Materialität und Medialität von Sprechakten rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dieser Sammelband eröffnet neue Perspektiven auf die Verschränkungen von Denken, Fühlen und Handeln. Die Beiträge hinterfragen auch die Rituale und materiellen Bedingungen wissenschaftlicher Praxis: Das „Sessel-Gespenst“, der ewig – und allzu oft unbequem - sitzende Körper im akademischen Betrieb verweist auf Disziplinierungspraktiken, die wir uns und anderen zumuten aber auch auf Gesten der Individualisierung und Territorialisierung (Herta Nöbauer): Wer darf wo wie sitzen und sprechen? Neue Vortragsformate wie die „Lecture-Performance“ werden in den Beschreibungen erfahrbar, ebenso die im November 2011 stattgefundene Veranstaltung „Philosophy on Stage“, die drei Tage lang das von Ludwig Wittgenstein entworfene Haus im 3. Wiener Gemeindebezirk belebte. Denken als körperliche Erfahrung verbindet künstlerische und wissenschaftliche Herangehensweisen auf produktive Weise wie etwa die Schilderungen von Frans Poelstras Performance: Philosophie in Bewegung, auf der Bühne, aufgeführt von einem philosophischen Tänzer. Mit der Berührbarkeit des Körpers, seiner Porosität (Susanne Granzer), wird auch seine Verwundbarkeit spürbar. Mit Judith Butler könnte unsere geteilte Verletzlichkeit die Basis einer Ethik der Verantwortung füreinander bilden. Dafür müssen wir allerdings die Verleugnung dieses Einander-Ausgesetztseins beenden und uns diesem stellen, indem wir das Risiko eingehen, uns angreifbar zu machen. Der in der Philosophiegeschichte oft „vergessene“rper macht sich eindrucksvoll bemerkbar.

Bettina Zehetner

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