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Buchcover Erna Appelt, Brigitte Aulenbacher, Angelika Wetterer (Hg.innen):

Gesellschaft.
Feministische Krisendiagnosen.
Münster: Westfälisches Dampfboot 2013
http://www.dampfboot-verlag.de/

Krise fordert Kritik

Finanzkrise, ökologische Krise, Reproduktionskrise, Krise der Männlichkeit und Krise des Feminismus – die Krisenrhetorik signalisiert auf all diesen Gebieten notwendige Neuorientierung. Inwiefern ist unsere Gesellschaft heute tatsächlich so radikal im Umbruch oder „war Krise vielleicht schon immer?“ wie Cornelia Klingers Aufsatz zur geschlechtlichen Arbeitsteilung nahe legt.
Die Artikel sind in vier Themenbereiche gegliedert: Natur und Politik, Sorgearbeit und Ökonomie, Öffentlichkeit und Privatheit, Normierungen und Ideologien und bieten differenzierte feministische Kritik an neoliberalen Entwicklungen.
Ilse Lenz bietet einen Überblick über den neuen Antifeminismus im deutschsprachigen Raum, Sabine Hark und Mike Laufenberg beschreiben die Kommerzialisierung und „diskursive Umarmung“ von LGBT zum Zwecke der Vereinnahmung als ökonomisch produktive Mitglieder einer nach wie vor heteronormativ strukturierten Gesellschaft.
Angelika Wetterers Text „Das erfolgreiche Scheitern feministischer Kritik“ verknüpft ihr Konzept der rhetorischen Modernisierung mit Bourdieus Modell symbolischer Gewalt, die in ihrer selbstverständlichen Alltäglichkeit der Reproduktion männlicher Herrschaft dient. Sie untersucht die Paradoxien moderner Selbstverhältnisse zwischen Fremdbestimmung und Selbstverantwortung und entlarvt die Rhetorik der längst erreichten Geschlechtergleichheit als Verschleierung der bestehenden Ungleichheitsverhältnisse. Wir verkörpern Machtverhältnisse als Habitus: „In jeder Geste steckt die ganze Gesellschaft.“

Bettina Zehetner

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