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Buchcover Margarete Akoluth:

Über den Versuch, eine misslungene Psychoanalyse
zu bewältigen.

Psychosozialverlag, Gießen 2014
http://www.psychosozial-verlag.de/


Über Verletzlichkeit und Grenzüberschreitung in der Therapie – für einen offenen Umgang mit therapeutischen Fehlern

Margarete Akoluth berichtet in sehr persönlicher Weise von ihrer fast elfjährigen, schmerzhaft gescheiterten Psychoanalyse. Sie will verzweifelt verstehen, warum ihr Analytiker ihre Grenzen durch körperliche Berührungen überschritten hat und sie auf ihre Fragen, warum er die nötige Abstinenz nicht einhält, keine Antwort erhält. Eindrücklich schildert sie ihre Ausgesetztheit als Analysandin, die professionelle Hilfe sucht und auf einen Therapeuten trifft, der mit „zärtlich und beruhigend gemeinten“ Berührungen experimentiert und so ihre Abhängigkeit ausnützt. Sobald es dem Therapeuten um eigene Bedürfnisbefriedigung geht, sollten supervisorische Gespräche zur Klärung gesucht werden – in diesem Fall richtete der Analytiker durch angeblich hilfreich gemeinte körperliche Nähe großen Schaden an. Leider war Akoluths Analytiker auch auf mehrmaliges Ersuchen seiner Patientin nicht bereit, zu ihren Vorwürfen Stellung zu nehmen und somit bleibt seine Seite eine Leerstelle – eine Leerstelle, die umso schmerzhafter auffällt, als seine unangemessenen körperlichen Berührungen noch Jahre später das Gefühl von Ohnmacht und Ausgeliefertsein in der Patientin hervorrufen. Als „folgsames Kind“ traute sie sich keine Widerständigkeit – umso bemerkenswerter ist es, dass sie nun ihre Erlebnisse veröffentlicht.

Im Nachwort würdigt Horst Kächele den Mut der Autorin, ihre Geschichte zu erzählen, um Therapeuten und Therapeutinnen aus Fehlern lernen zu lassen. Er lädt uns ein, ernsthaft zu prüfen, ob wir nicht rechtzeitig Patient_innen in schwierigen Therapiesituationen begleitende Beratung empfehlen – entsprechend der Intervision oder Supervision für Therapeut_innen. Ein begrüßenswerter Vorschlag, der allerdings voraussetzt, dass die Person, die zur Beratung herangezogen wird, nicht – wie in Margarete Akoluths Fall – jedes therapeutische Verhalten rechtfertigen will und nur zum Durchhalten mahnt.

Ein engagiertes und mutiges Buch, allein der bisweilen recht pathetische Stil ist gewöhnungsbedürftig. Gefragt ist eine offene Fehlerkultur, von der alle im psychosozialen Feld Tätige ebenso wie Klient_innen und Patient_innen profitieren können.

Bettina Zehetner

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